#20 How was your week?

Frau Susi denkt über ihre Woche nach

Es war ein Kommen und Gehen, das Haus voller junger Leute, eine Woche mit exzellenten Speisen, feinen Abendessen, interessanten Gesprächen, viel Schreiben, telefonieren, To do Listen erstellen und abhaken, sehr moderaten sportlichen Aktivitäten und wie immer in Gedanken über einige Themen, die mich so beschäftigen.

Ich lese gerade Orsola de Castros Buch „Loved Clothes Last“. Die Co-Begründerin der Fashion Revolution Plattform und Bewegung schreibt hier über unseren Umgang mit unseren Kleidern, dass es u.a. darum gehe, sie bewusst zu einem Teil unseres Lebens zu machen, sie zu pflegen und wenn notwendig, zu reparieren. Ich beschäftige mich ja seit längerem intensiv mit Mode in ihrer möglichst nachhaltigen Form und werde das Buch auf meinem Blog besprechen. Das Thema ist vor einigen Jahren zu mir gekommen, nie hätte ich gedacht, dass ich mich mal eingehender mit Mode beschäftigen werde, aber es begeistert mich, vor allem die Menschen und das, was sie machen, begeistern mich, was noch aussteht ist (irgendwann) ein funktionierendes Businessmodel für mich zu entwickeln. Ich betreibe diesen Blog und die Aktivitäten rundherum für die Freude am Machen, Gestalten, Verändern und hoffentlich auch zur Inspiration. Well, Frau Susi ist hier bis heute von ihren Familienmustern gesteuert, denn seine Talente stellt man der Welt zur Verfügung, es geht in erster Linie ums Geben und um die Freiheit, die Sachen so tun zu können, wie man möchte. Und es geht natürlich auch um Dankbarkeit mit Talenten gesegnet zu sein und darum, sich mit spannenden Sachen beschäftigen zu können. Das ist bis heute das Wichtigste für mich. Ich ertrage sehr wenige Einschränkungen meiner (kreativen) Freiheiten. Nicht zu verwechseln bitte mit einem (und das sage ich als Juristin, die sich mit diesem Begriff auseinandergesetzt hat) falsch verstandenen Freiheitsbegriff, der gerade gerne in Bezug auf die Pandemie eingefordert wird. Ich bin bereit auf sehr viel zu verzichten, nur um nicht in irgendwelchen beruflichen (und privaten) Korsetten zu stecken.

Bei einem unserer Morgenspaziergänge, als ich mal wieder in Selbstanalysen herumstocherte, begann mein Mann über Chemie zu sprechen, die Elemente, stabile und unstabile Zustände, Protonen, Neutronen und Elektronen. Ich wusste zum Beispiel nicht mehr, dass ein Element dann stabil ist, wenn 8 Elektronen in der äußersten Elektronenschale um den Kern kreisen. Manche Elemente haben dort zum Beispiel nur 6 oder mehr oder weniger kreisende Elektronen und suchen deshalb, weil sie nach Stabilität suchen, fieberhaft nach Verbindungen. Natrium zum Beispiel ist so ein High Performer. Mein Mann stellte Parallelen zwischen mir und Lithium her. Lithium brauche nur ein Elektron abzugeben um auf die darunter liegende stabile 8er Schale zu kommen und sei deshalb auch ständig in Bewegung und fieberhaft auf der Suche dieses eine Elektron der äußersten Schale abzugeben. Well.

Es ist ja nicht so einfach sich wirklich so zu akzeptieren, wie man ist. Klar, Verbesserungspotential gibt es immer, aber es gibt gewisse Grundmuster, die gehören einfach zur eigenen Persönlichkeit. Ich zum Beispiel entwickle mich sehr langsam, so schnell ich bei vielen Dingen bin, wachsen, im entwicklungspsychologischen Sinne, dauert bei mir ewig, zumindest scheint es mir so. Und mich so zu akzeptieren wie ich wirklich bin, fällt mir bis heute schwer.

Ein wirklich lustiger Teil dieser Woche war meine erste Instagram Reel Produktion. Also ein Video/Reel zu machen, das aus verschiedenen Videos besteht und wo man zum Beispiel toll verschiedene Looks präsentieren kann. Unsere jungen Gäste, Francisca, die Verlobte meines Sohnes und Pitty, ihre Freundin, haben mit mir zusammen sowas zusammengestellt. Abgesehen davon, dass wir großen Spaß hatten, habe ich auch was Neues gelernt. Ich liebe es so kleine digitale Sachen (halbwegs) zu können. Das gibt mir das Gefühl, den Anschluss nicht gänzlich zu verpassen. Was natürlich ab einem gewissen Punkt sowieso passieren wird. Dazu fällt mir das Interview in der aktuellen Grazia mit der unglaublichen Iris Apfel ein – New Yorker Style-Ikone, die gerade 100 wurde –, die auch noch mit 100 Jahren sehr lebendig, eigenwillig, gepflegt und cool gekleidet ihr Leben meistert. Vermutlich ist ihr das auch deswegen gelungen, weil sie bis heute zu sich steht und sich keinen Deut darum schert, was andere über ihren Paradiesvogel-Style denken und tut, was ihr gefällt und einfach ist wer und wie sie ist.

Ich kann ja das, vor allem in Zeitschriften und Serien verhandelte, und für mich meist ziemlich überzogene und zum Teil sehr esoterisch anmutende Selbstliebe- und Me-time Gefasel, nicht besonders ausstehen (am Schluß gehts eh nur darum, was zu konsumieren), aber sich von Grund auf selbst zu mögen und zu akzeptieren, das hat was. Beziehungsweise, darum geht. Was Orsola de Castro über den Umgang mit unseren Kleidern sagt, gilt zunächst doch mal für uns selbst. Sich zu mögen, mit Liebe zu pflegen, und wenn notwendig, zu reparieren. Etwas chemisches Verständnis habe ich gemerkt, kann da sehr hilfreich sein.  

Ja, und wie war eure Woche?

Yours,

Frau Susi

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Das Ergebnis meines ersten Reel Makings gibts hier

Und solltet ihr Zeit und Lust haben noch was über nachhaltige Mode zu lesen, seit dem letzten Newsletter gingen zwei neue Geschichten online: ein Interview mit der Begründerin des Gwand Sustainable Festivals in Luzern Suzanna Vock (sie hat einen super Style, beim Zoom-Interview saß sie mir mit Turban und Ethno-Kleid gegenüber) und ein Gespräch mit den PeppinoPeppino (best Jeans ever!) Machern Simona Testucci und Alessio Berti über ihre ikonische und ja, auch responsible, Brand.

Und hier noch ein letztes Bild für alle, die neugierig sind, was dann am Ende so beim Kochen rauskam…

Francisca und Pitty sind beide “Chefs”, machen gerade einen Slow Food Master in Bra und kochen unglaublich gut, gesund, abwechslungsreich und bevorzugt vegetarisch und vegan.

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