#17 Mir fällt kein Titel ein!

Frau Susi denkt über Leidenschaft nach

Ich muss euch leider gleich zu Beginn enttäuschen, denn es geht hier heute nicht um das, was ihr vermutlich erwartet. Es geht nicht um leidenschaftliche Beziehungsthemen, es geht darum, wo der Begriff der Leidenschaft in letzter Zeit so auftaucht und welche Haltung mir daraus zu sprechen scheint.

Vor einigen Monaten überholte ich einen LKW eines großen Transportunternehmens, der mir mitteilte, dass der hinten groß abgebildete Mitarbeiter, die abgebildete Mitarbeiterin, mit Leidenschaft bei der Sache ist, mit Leidenschaft nach der besten Lösung sucht, sozusagen leidenschaftlich ehrgeizig ist, alles super zu bewältigen. Bei den Personen handelt es sich wie mir scheint – weitere LKW´s begegnen mir regelmäßig – um brave, nette Erscheinungen, schön gekämmt, dezent und praktisch gekleidet, ein sanftes Lächeln im Gesicht. Leidenschaft??? Muss man jetzt als Angestellter eines Transportunternehmens Leidenschaft als Kardinaltugend mitbringen?

Auch ein deutsches Schraubenunternehmen macht leidenschaftlich gerne Schrauben. Es ist erstaunlich, welche Verbindungen die Leidenschaft gerade so eingeht. Mit Holz, mit Metallen, mit Logistik – aus dem Führungs- und Innovationsvokabular ist sie gar nicht mehr wegzudenken.

Schauen wir doch mal in Wikipedia nach, was die uns zum Begriff Leidenschaft sagen: „Leidenschaft ist eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion. Sie umfasst Formen der Liebe und des Hasses, wird aber auch für religiösen, moralischen oder politischen Enthusiasmus benutzt und beschreibt die intensive Verfolgung von Zielen von beispielsweise Kunstliebhabern, Sammlern oder von Tierfreunden. Im heutigen Alltagssprachgebrauch ist ein Zusammenhang mit „Leiden“, von dem sie abgeleitet ist, kaum noch präsent.“

OK, zunächst mal kommt Leidenschaft von Leiden, das scheint der Sache vielleicht näher zu kommen. Es gibt doch jede Menge Jobs, die mit Selbstverwirklichung eher wenig zu tun haben. Oder seht ihr das anders? Das scheinen aber die Marketinggurus dieser Unternehmen nicht zu wissen. Wollen die mir wirklich erzählen, dass tagein tagaus Transportlogistik zu betreiben „eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion“ ist?

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Wikipedia weiter: „Die antike Philosophie der Stoa sah in der Beherrschung der Leidenschaften (Affektkontrolle) ein wichtiges Lebensziel. Die Mäßigung (insbesondere die der Lust) ist eine der vier platonischen Kardinaltugenden.“ Mir scheint, dass da aktuell wohl einiges verwechselt wird. Die neoliberalistische Vereinnahmung des Menschen erwartet die totale Hingabe, von Mäßigung keine Spur. Wir müssen 100% brennen für unsere Jobs. Nur das volle Programm zählt. Niemand scheint mehr was normales normal machen zu dürfen. Es muss mindestens Passion oder Leidenschaft mit dabei sein, man muss immer seinen Traum verfolgen. Wie der zum Beispiel mit lebenslangem Drehen von Schrauben verwirklicht wird, muss mir mal jemand erklären.

Jedenfalls geht’s um Emotionen. Und die werden heute großgeschrieben. Die Sache überlegter und ruhiger anzugehen, mal aus der Distanz draufzuschauen, nachzudenken, scheint geradezu unpopulär geworden zu sein. Emotion ist authentisch, wer leicht entzifferbare Gefühle zeigt ist ein (scheinbar) berührbarer Mensch und so fort. Wer laut schreit hat (vermeintlich) Recht, weil er ja seine Gefühle in die Welt hinausschreit. Nichts gegen Gefühle, sie gehören zu unserem Menschsein, aber so einfach ist das dann doch nicht. Die Pandemie zeigt uns das jeden Tag. „Die Macht des Gefühls“ hat uns bereits einige zusätzliche Corona-Runden eingebrockt. Und vieles, was als sogenanntes Gefühl daherkommt, ist einfach nur Egoismus oder schlechte Manieren.

Unser gesellschaftlicher Umgang mit Emotionen prägt uns, die Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Aber das heißt nicht, dass man sich hier völlig ergeben muss und nicht auseinanderhalten sollte, was, was ist. Und dabei vor allem nicht die Sensibilität für Gefühle verliert, die meistens ja viel zarter und stiller sind, als uns das vorgemacht wird.

Zurück zur Leidenschaft. Wer schon einige Zeit auf der Welt ist, weiß nur zu gut, dass Leidenschaft in vielen Fällen auch Leiden schafft. Dass sie dazugehört zum Leben, dass es aber ratsam ist mit ihr umgehen zu lernen und sie vor allem dort zu belassen, wo sie hingehört: zu den Momenten, in denen das Gemüt völlig von Emotionen ergriffen wird.

Yours,

Frau Susi

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p.s. im letzten Newsletter ist einiges schief gegangen. Die abgebildete Kirche ist nicht in Assisi, sondern in Orvieto. Und bei Evviva, fehlte ein v. Sorry, wurde online korrigiert.

p.p.s Das Gespräch mit Gabriela Oberkofler für meine Radiosendung „Wie geht Zukunft?“ auf Rai Südtirol hat mir viel Freude gemacht, da ist auch einiges Interessantes drin finde ich. Wir sprechen über ihre aktuelle und viel beachtete Ausstellung in der Villa Merkel in Esslingen „Api étoilé – ein wachsendes Archiv“. Gabriela sucht in ihrer Arbeit nach Schnittstellen zu gesellschaftlichen Phänomenen, im Mittelpunkt stehen die Pflanzen und was wir von ihnen lernen können. Den Link zum Gespräch gibt’s hier.

p.p.p.s. Und im Blog habe ich mit Guya Merkle gesprochen, sie bringt mit ihrer Brand „Vieri“ Fine Jewellery und Nachhaltigkeit zusammen, sie ist eine Pionierin in diesem Bereich. Nach einer Ausbildung am Gemological Institute in London und dem Besuch verschiedener Goldminen, wo sie mit eigenen Augen sah, was da wirklich abging, gründete sie 2012 die Earthbeat Foundation. Ziel der Foundation ist es, einen legalen, sicheren, nachhaltigen und umweltschonenden Umgang mit dem Rohstoff Gold zu etablieren. Interessiert? Hier geht’s zum Interview.

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#16 Evviva l‘Umbria

Frau Susi blickt auf einige Tage in Umbrien zurück und hat einige Empfehlungen für euch

Es ist Freitagvormittag, ich sitze im Zug von Perugia nach Florenz. Auf Grund eines Unfalls mit Verspätung, die dann von Florenz nach Bozen noch um einiges größer werden soll. Wobei ich hier mal eine Lanze für die italienischen Züge brechen möchte, sie sind zwar nicht immer die komfortabelsten und neuesten, aber meistens sind sie doch ziemlich pünktlich. Ich fahre gerne Zug. Man kann rausschauen, lesen, nachdenken, schreiben, essen oder arbeiten. Und in Zeiten des immer erlebbareren Klimawandels versuche ich, wenn möglich, Zug zu fahren.

Letzten Sonntag machten wir uns mit Freunden nach Perugia auf, ihr Hochzeitsgeschenk war ein gemeinsamer Konzertbesuch bei Umbria Jazz. Erste Station und erste Empfehlung: Carpi, Ristorante „Il Carducci“. Wir haben im Februar mitten in der Pandemie in Carpi geheiratet, Verträge unterzeichnen in einer anderen Provinz war erlaubt, einer der vorgesehenen Trauzeugen ist von Carpi – leider konnte er Corona-bedingt nicht dabei sein – und wir haben im Carducci zu fünft gegessen und „gefeiert“. Il Carducci ist sehr zu empfehlen, Cucina casalingha emiliana. Carpi kennen die wenigsten, wir vorher auch nicht, dabei hat Carpi einen der schönsten und vor allem größten Plätze Italiens.

Umbria Jazz ist eines der renommiertesten Jazz Festivals Europas. Der Abend war legendär, denn es war auch der Abend des EM-Finales. Die Organisatoren haben entsprechend reagiert und das Konzert um zwei Stunden vorverlegt, etwas gekürzt und das Finale mit eingebaut. Enrico Rava und Fred Hersh standen auf dem Programm und eine weitere Kombo mit Enrico Rava. Dann das Spiel, zu sehen auf den großen Bildschirmen von Umbria Jazz. SUPER Stimmung. Der Sieg Italiens hat die Konzertarena, eigentlich die ganze Stadt, zum Kochen gebracht, Italien und Europa und ich haben aufgeatmet. Um Mitternacht nach der ganzen Fußball-Sause ging es weiter mit dem Julian Lage Trio, was für ein großartiger Sound, was für ein großartiger Abend. Da wir noch einige Tage in Umbrien bleiben, gingen wir auch noch zum Konzert von Brad Mehldau und seinem Trio. Umbria Jazz in Perugia ist meine zweite Empfehlung.

Übernachtet haben wir im kleinen, feinen Eco Resort „Il Cantico della Natura“, in den Hügeln über dem Trasimeno See. Ruhig, einfach, sehr sympathisch, mit gutem Frühstücksbuffet und sehr guter lokaler Küche. Besonders zu empfehlen, wenn ihr auch gerne wandert und/oder mit dem Mountain- oder Enduro-Bike unterwegs seid. Dass außer uns kein Mensch wandernd unterwegs war, hat wohl mit der Jahreszeit zu tun, besser sind Frühling oder Herbst.

Ich war das letzte Mal mit 12, 13 in Umbrien, auf einer Reise mit meinen Eltern nach Rom, leider erinnere ich mich an wenig. Die vielen Kirchen und Plätze und Städte und Städtchen verschwimmen zu diffusen Erinnerungsfetzen. Da unsere Freunde umzugsbedingt wieder nach Bozen mussten, haben wir uns ein kleines Auto gemietet und kurvten herum. Besonders gefallen hat mir, dass Umbrien noch etwas rauher ist, einfacher, weniger touristisch aufgehübscht wie in der Zwischenzeit doch ein großer Teil der Toskana.

Städtisches Highlight und meine vierte Empfehlung ist Spoleto. Die Stadt ist wunderschön, sehr lebendig, hat Unesco Weltkulturerbe Status, liegt hoch oben in den südlichen umbrischen Hügeln und ist flott mit Rolltreppen erreichbar. Ein Cappuccino im „Caffè degli Artisti“, dann zum „Ponte delle Torri“, einem mittelalterlichen Aquädukt, und zum sehr schönen Dom. Außerdem gibt’s in Spoleto das „Festival dei Due Mondi”.

Weniger anziehend, ich bin ich nicht alleine mit dieser Einschätzung, ist der Trasimeno See und seine Seeorte. Etwas heruntergekommen, aber nicht stilvoll heruntergekommen, eher etwas traurig desolat. Und der See selbst macht auch keine Freude. Lauwarm, seicht und voller Wasserpflanzen. Er wird zwar lokal gerne gerühmt, aber nach einem ersten Besuch mit Badeeinlage, war´s das dann auch. Lieber was in den Hügeln unternehmen.

Schön und sehr gepflegt ist Orvieto mit seinem imposanten Dom und dem beeindruckenden Doppelhelix-Brunnen. Architektonisch schön auch Assisi, weniger schön aber atmosphärisch, weil offensichtlich zu viel religiöser Ballast und ausgerichtet auf Ausnehmen von gläubigen und nicht gläubigen Touristen. Ob der heilige Franz mit dem heutigen Assisi Freude hätte? Probably not.

Sehr hübsch der kleine Hauptplatz in Montefalco. Da der Sagrantino di Montefalco zu den Lieblingsweinen meines Mannes gehört, durfte die Strada del Sagrantino natürlich nichts links liegen gelassen werden. Sehr empfehlenswert sind die Sagrantino (Sagrantini in der Mehrzahl?) di Montefalco von Antonelli und von Arnaldo Caprai.

Was noch? Das beste Lokal in Perugia soll die „Osteria a Priori“ sein, ging sich leider nicht aus. Sehr nett das kleine Spezialitäten-Geschäft-Cafe „Daje“, wo man kleine, feine Sachen, vor allem Formaggi und Salumi, essen kann. Ja, und unbedingt ein handgemachtes Bacio probieren solltet ihr mal in Perugia sein, so gut die konfektionierten Baci sind, der Unterschied ist groß. Leider war es zu heiß, eine größere Menge mitzunehmen.

Und wie war eure Woche?

Yours,

Frau Susi

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p.s Im Blog geht’s diese Woche um Sommer, den Klimawandel und um nachhaltige Sommer-Outfits.

p.p.s Da der Zug, wie gesagt unfallbedingt, einiges an Verspätung hatte, zum Abschluss noch eine Runde in Florenz.

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#15 Tor!!!

Frau Susi denkt über Fußball nach

Es ist vermutlich nicht sehr originell in dieser Zeit über Fußball zu schreiben, aber nicht nur drängt sich das Thema auf, sondern ist es auch ein Thema, das mich durch mein Leben begleitet. Als Zusehende wohlgemerkt. Ich selbst habe 0 Talent für Ballspiele. Ganz egal ob mit Bein/Fuß oder Arm/Hand.

Schon als Kinder hat uns unser Vater vor den Fernseher gesetzt um die internationalen Fußball-Wettstreite mit ihm zu schauen. Meine Schwester und ich waren mit Herz und Seele dabei. Was haben wir geschrien, gejubelt und waren betrübt. Ich war verliebt in den Spieler Bruno Pezzey, Fußballkarten sammeln und Alben kleben gehörten zum unabdingbaren Repertoire meiner Kindheit. Genauso wie das fachsimplen von Opa und Papa über die diversen Bundesliga-Spiele am Sonntag bei Kuchen und Tee. Noch ein Bild ist mir in Erinnerung geblieben: Kollegen meines Vaters tragen ihn die Stiegen zu unserer Wohnung hinauf, mit Knieverletzungen und gebrochenem Arm, beides hat er sich als enthusiastischer Stürmer der Universitäts-Fußballmannschaft zugezogen. Weitere Verletzungen folgten.

Als Österreicherin ist man ja Fußball-Kummer gewöhnt, Highlights sind selten, noch heute ist der Sieg gegen Deutschland 1978 in Cordoba tief im nationalen Gedächtnis verankert. Deshalb habe ich mir immer andere Mannschaften gesucht, die ich gut fand. Mal waren es die Holländer, Argentinier, Brasilianer, Kamerun, Italien oder ein anderes Team, die Stürmer der jeweiligen Mannschaft waren mitentscheidend. Heute wechselt es, je nachdem, wer wie spielt, sich wie benimmt und so. Natürlich, in Italien lebend halte ich zu Italien, außer die Azzurri spielen schlecht oder fies. Ganz übel fand ich, als vor einigen Jahren herauskam, dass nicht wenige Top-Kicker ziemlich rechte Recken waren/sind. Überhaupt ist Fußball in dieser Beziehung ein problematisches Terrain. Sowohl was die Mannschaften als auch was die Fans betrifft. Einige Mannschaften schauen ja aus wie Schlägertrupps. Da Fußball eng mit nationalen Gefühlen verbunden ist und der Sport ab und an eine Nebenrolle zu spielen scheint, gönne ich manchen Mannschaften keinen Sieg, beziehungsweise hoffe ich, dass sie keine nationalen Höhenflüge einfahren. Wie habe ich mich heuer gefreut, dass Erdoğan und Orbán nicht jubeln konnten, auch Polen und Russland nicht. Ich kann da nicht neutral sein und den Sport vom Land und seiner politischen Verfasstheit trennen. Ein Brexit-England als Europameister wünsche ich mir nicht.

Ich verfolge nur die großen Sachen, also EM und WM, ab und zu Champions League. Vor vielen Jahren war ich auch mal im „San Siro“, beim Spiel Barcelona gegen Milan. Das war eine besondere Erfahrung. Und da ich sieben Jahre mit einem Holländer liiert war, und der ein guter Freund von Marco van Basten (den kennt ihr oder?) ist, habe ich auch einiges über Marco, Johan Cruyff und holländische Clubs mitgekommen. Ich habe sogar auf dem 40. Geburtstag von Marco in Holland getanzt!

Leider sind heuer einige Teams, die ich gerne weiter haben wollte, nicht weitergekommen. Wie Portugal und Frankreich, auch Deutschland hätte ich mir gewünscht, da ich viele deutsche Freunde habe. Nun denn. Die italienische Mannschaft macht mir und sicher auch vielen anderen bei dieser EM Freude, außer beim letzten Spiel. Es ist schön, sich am Abend entweder aufs heimische Sofa oder an einen anderen Ort zu begeben und einzutauchen. Ein Bier dazu, auch zwei.

Noch was ist mir eingefallen: Ich habe vor einigen Jahren interimsmäßig eine Bereichsleitung bei IDM Südtirol übernommen und hatte in dieser Zeit eine tolle Fußballerin im Team. Katja steht heute nicht nur im Tor des AC Florenz, sondern auch in dem der italienischen Frauen-Fußballnationalmannschaft. Überhaupt finde ich ist Frauenfußball immer noch viel zu wenig präsent und geschätzt. Verdienen tun die Damen auch kaum was. Unglaublich, wenn man sich die Summen der männlichen Kollegen anschaut, die die so einstreichen. Es sagt viel darüber aus in welcher Gesellschaft wir leben. Ich plädiere also für mehr Frauenfußball und behaupte auch, dass die Damen weniger anfällig sind für das ganze Macho-Gehabe, das den Fußball begleitet.

Aber immerhin kommentieren einige deutsche Top-Fußballerinnen in den Begleit-Sendungen des deutschen Fernsehens die aktuellen Spiele und auch die ein oder andere sehr fragwürdige UEFA-Entscheidung. Je länger diese EM geht, desto unguter werden diese Entscheidungen leider. Wie kann es sein, dass man eine Zuschauerzahl von 65.000 im Wembley Stadion in London zulässt? Dass wir zwei Stunden lang schwitzenden, schreienden, sich umarmenden, zusammengepferchten Fans zuschauen müssen? Als gäbe es Corona, vor allem die sich rasch ausbreitende Delta-Variante, nicht? England hat bereits Portugal zweimal in den Lockdown geschickt und hinterlässt regelmäßig Hotspots in anderen Städten und Ländern. Großbritannien hat die neue Variante bisher nicht im Griff, die Inzidenz ist bereits auf über 270 gestiegen.

Beim Spiel England gegen Dänemark habe ich mich so geärgert, dass ich mir den letzten Teil gar nicht mehr angeschaut habe. Auch wenn England die bessere Mannschaft war, aber mit einem geschenkten 11-Meter weiterzukommen ist sportlich gesehen würdelos.

Da diese EM Corona-bedingt ja ein Jahr später stattgefunden hat, gibt’s nächstes Jahr schon wieder eine Weltmeisterschaft. Aber leider im Winter in Katar, also nix mit Public Viewing draußen, höchstens mit Heizschirmen. Da haben die Scheiche wohl kräftig geblecht, denn der WM-Gastgeber wird international wiederholt wegen Menschenrechtsverletzungen und Homophobie kritisiert. Vielleicht falle auch ich bereits diversen Verschwörungstheorien zum Opfer, aber ich halte die UEFA für zutiefst korrupt. Dass England Europameister werden soll, kann durchaus gewollt sein.

Jetzt steht also nur noch das Finale auf dem Programm. Es wird mehr werden als nur ein einfaches Finale. Es wird auch darum gehen, den egoistischen und überheblichen Briten europäische Werte entgegenzusetzen. Ob die italienische Mannschaft das packen kann? Ich bin nicht rasend optimistisch, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.

FORZA ITALIA!!! FORZA EUROPA!!!

Yours,

Frau Susi

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Im Blog geht’s diese Woche um ein Lieferkettengesetz für Italien. Der Südtiroler Landtag hat auf Initiative der Grünen einen Begehrensantrag an das italienische Parlament gestellt. Das ist wirklich wichtig und ich hoffe, dass hier was weitergeht.

Die Kreativszene in Tirol hat sich in den letzten Jahren gut aufgestellt, eben ist die Homepage online gegangen und ich durfte was beisteuern zum Thema Kreativität. Schaut euch die Seite mal an, da ist viel Interessantes dabei.

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#14 Es grünt so grün…

Frau Susi denkt über ihr Verhältnis zu Pflanzen nach

Ich mag Pflanzen sehr. Wilde Blumen, Olivenbäume, Schilf, Getreidefelder, auch gezüchtete Pflanzen, alles was grün und bunt ist. Letztes Wochenende war ich in Deutschland und hab mir die Ausstellung meiner Freundin Gabriela Oberkofler „Api étoilé – ein wachsendes Archiv“ in der Villa Merkel in Esslingen angeschaut. Da geht es um Pflanzen und Samen und alternative Landwirtschaft und zeitgenössische Kunst. Vor allem aber geht es darum, dass wir uns als Menschen nicht immer so wichtig nehmen sollten und besser mal bei den Pflanzen nachschauen und nachfragen wie die ihr Leben so gestalten.

Meine Beziehung zu Pflanzen ist mit der Zeit gewachsen. Ich kann nicht behaupten, dass ich mit den Händen in der Erde aufgewachsen bin. Ich war zwar als Kind viel draußen, meine Oma hatte einen großen Garten, ich bewegte mich gerne in der Natur, hatte aber selbst nicht viel damit zu tun. Als Studentin pflegte ich meine ein, zwei Zimmer-Palmen, gerne mochte ich auch frische Blumen. Dass ich selbst mal einen kleinen Gemüsegarten mitbetreuen würde, hätte ich mir in meinen kühnsten Pflanzenträumen nicht vorgestellt. Ich hatte nie die Sehnsucht nach Gartenarbeit oder danach, die Hände in die Erde zu stecken, was Eigenes anzubauen, geschweige denn, dann auch was einzukochen. Ich kauf(t)e halt gut.

Heute gibt’s jede Menge Pflanzen in meiner Umgebung. Drinnen Orchideen, Gummibäume, einige, von denen ich den Namen vergessen habe und draußen einen kleinen Gemüsegarten, den ich, wie gesagt, co-betreue, mein Mann hat Landwirtschaft studiert, da bin ich also mehr assistierend tätig, und auf der Terrasse allerhand: Zitronenbäume, ein Olivenbäumchen, Oleander, Kräuter, Feigenbaum, derzeit eine Erdbeerstaude, Tomaten und diverse Blumen. Ich rede mit meinen Pflanzen und pflege sie gut. Beim Gemüse bin ich eher beim Gießen und Ernten zuhause, weniger beim Pflanzen und Unkraut jäten. Da meine Daumengelenke etwas abgenützt sind, ist der grüne Daumen nur begrenzt einsatzfähig. Ob ich ihn mental habe? Ich denke schon.

Keine gute Beziehung habe ich bisher zu Schädlingen, zu Läusen, Wanzen, Armeen von Ameisen, Schnecken und so weiter. Bei Gabrielas Ausstellung war auch Südtirols Vorzeige-Gemüsebauer Harald Gasser zu Gast und hat über seinen Garten erzählt. Er setzt ausschließlich auf Gleichgewichte und versucht Schädlingen ganz natürlich beizukommen, in dem er zum Beispiel ihre Feinde mitbedenkt oder die richtigen Pflanzen nebeneinandersetzt oder so. Ich gestehe, mir fehlt da die Geduld bzw. setze ich mich mit diesen Themen nur recht oberflächlich auseinander. Für Ameisenstraßen im Haus und auf der Terrasse gibt’s Ameisenfallen, für Motten Mottenfallen und nach mehrmaligem Brennnessel-Sud spritzen gegen Läuse beim Oleander folgt dann was Härteres. Ich hasse Läuse auf Pflanzen.

Immer wieder beobachte ich, dass ich bei praktischen Angelegenheiten recht gerne zu schnellen Lösungen greife. Auch wenn sie eher brachial sind. Also zum Beispiel statt Knoten liebevoll zu entwirren lieber aufschneiden oder gleich jemandem anderen geben. Oder eben mal mit bisschen Gift arbeiten. Aber ich habe mir vorgenommen hier mehr Geduld an den Tag zu legen.

Vor einigen Jahren habe ich begonnen das Buch „Die Intelligenz der Pflanzen“ von Stefano Mancuso zu lesen. Das hat mir sehr gefallen, es liegt noch irgendwo, leider habe ich es noch nicht fertiggelesen. Das, was er sagt über die Kommunikation von Pflanzen, ist zunächst belächelt worden von seinen Wissenschafts-Kollegen, heute, soweit ich weiß, hat sich das meiste als richtig herausgestellt.

Ich bin überzeugt davon, dass wir von Pflanzen lernen können. Vor allem aber schließe ich mich Gabrielas Credo an, dass wir die Welt um uns herum, Pflanzen, Tiere, die natürliche Umwelt, mit viel, viel mehr Respekt behandeln und aufhören müssen, uns hier wie die Chefs der Welt aufzuspielen. Der berühmte Naturforscher David Attenborough hat es gesagt und andere auch, die Natur wird´s irgendwie überleben, wir eher nicht, wenn wir so weitermachen.

Und wie schaut euer Verhältnis zu Pflanzen aus?

Yours,

Frau Susi

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Hier geht’s zu Gabrielas Ausstellung. Und hier zum sehr interessanten Film darüber, den der SWR gemacht hat.

Im Sustainable Fashion Blog geht’s diese Woche um mehr Sichtbarkeit für kleine, nachhaltige Brands, um Post-Corona-Shopping und um den GREENSTYLE Pop-up-Shop.

Und wie gehts euch?

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#13 Das Mardi Gras

Frau Susi liest und gibt Buchtipps

Corona sei Dank bin ich wieder zurück gekehrt zu ausgedehnterer Lektüre. Nicht, dass ich vorher nicht gelesen hätte, aber es waren vor allem Sachbücher, Zeitungen, Magazine und viel online. Die diversen Lockdowns haben es mit sich gebracht, dass ich stapelweise Bücher ins Haus getragen habe, diesmal vor allem Fiction. In Italien gehört der Buchhandel ja lobenswerter Weise zu den Grundbedürfnissen und so waren die Buchhandlungen mehr oder weniger immer offen. Amazon kommt für mich, außer in alleräußersten Notfällen nicht in Frage, denn da ich möchte, dass der Buchhändler meines Vertrauens überlebt, bestelle ich alles bei ihm.

In Bozen gibt es nur eine Buchhandlung und einen Buchhändler für mich. Konrad Daum und sein Mardi Gras in der Andreas-Hofer-Straße. Die Buchhandlung ist nicht zu klein und nicht zu groß, führt neben deutsch- und italienischsprachiger Literatur auch viel Fremdsprachliches, hat einen Schwerpunkt für Comics und allerhand mehr im Repertoire. Bücher für Kinder gibt´s auch. Schon auf den ersten Blick ist klar, hier ist jemand am Werk, der die Welt der Bücher liebt.

Einige Läden mussten in den letzten Jahren schließen, der Athesia-Konzern macht sich breit und räumt auf die Seite, was im Weg steht. Auch zur Athesia gehe ich nur in alleräußersten Notfällen, denn von Literatur versteht dort kaum jemand wirklich was. Konrad ist ein Buchhändler wie man ihn sich wünscht, klug, belesen, er kennt (fast) alles, kann dir was erzählen über die Bücher und empfiehlt je nach Geschmack, wenn man das möchte. Die besten Tipps bekomme ich von ihm. Da ich wenig aktuelle Besprechungen lese oder die, die ich lese, wieder vergesse oder die herausgerissene Zeitungsseite nicht mehr finde, verlasse ich mich gerne auf sein Urteil. Er stellt mir was zusammen und ich schaue dann durch.

Bücherstapel erinnern mich an meine Kindheit. Denn wenn es etwas im Überfluss gab, dann Bücher. Zu Anlässen geschenkt und auch zwischendurch immer wieder. Also nicht ein, zwei Bücher, sondern fünf, sechs, sieben, acht. Ob das die wunderschönen Bücher von Maurice Sendak waren oder Lupinchen oder Pipi Langstrumpf, die damals viele gar nicht lesen durften, oder Momo, Mio mein Mio oder Janosch… Auch später, eigentlich bis heute, bekomme ich von meinem Vater Bücher geschenkt. Ich muss vielleicht dazusagen, dass Bücher der allgegenwärtige Einrichtungsgegenstand in der Wohnung meiner Eltern sind. Weggegeben wird nichts. Ich bin da pragmatischer, ich entsorge Bücher auch immer wieder. Bei meinem Umzug vor vier Jahren musste die Hälfte des Bestands dran glauben.

Die viele gute Lektüre hat meine Schwester und mich aber nicht davon abgehalten in einer Art Bücher-Pubertät heimlich und mit viel Vergnügen Arztromane und ähnlich schwülstig-peinliche Liebesgeschichten zu lesen. Die Phase ging vorüber, geblieben aber ist ein Hang zu easy going stories, der heute vor allem mit Netflix befriedigt wird.

Zurück zu Konrad und seiner Buchhandlung. Ich habe also viele Bücher nachhause geschleppt und tatsächlich das meiste davon schon gelesen. Hier meine Empfehlungen für den Sommer und den ein oder anderen Strandaufenthalt:

Meine aktuellen Favoritinnen sind französische Autorinnen. Für mich haben sie eine besondere Art zu erzählen, eine Leichtigkeit, ohne banal zu sein, einen Schwung, Rhythmus und eine Virtuosität der Sprache, die ich sehr mag. Gerne habe ich früher die Bücher von Anna Gavalda, Marie Darieussecq oder Emma Becker gelesen, jetzt sind es die Romane und Erzählungen von Delphine de Vigan und Virginie Despentes. Vor kurzem habe ich Despentes „Vernon Subutex“ Romane gelesen, alles in allem über 1200 Seiten, aufgeteilt auf drei Bände. Eine Wucht!!! Ich war süchtig. Despentes geht hart zur Sache, Sex, Drugs und Rock 'n' Roll, auch Gewalt ist dabei, Terrorismus, Rassismus, Obdachlosigkeit, genauso wie zarte Beobachtungen und tiefgründige Innenschauen. Politisch korrekt läuft hier gar nichts, manchmal musste ich schlucken und tief durchatmen, Despentes schont rechts und links niemanden. Aber immer mit Respekt vor ihren Figuren. Ich kann mich nicht erinnern etwas Vergleichbares gelesen zu haben. In Frankreich schlug der Roman ein wie eine Bombe. Hauptfigur ist Vernon Subutex, ein legendärer Plattenhändler, den die neoliberalen und technologischen Umwälzungen langsam aber sicher aus der Bahn werfen. Er landet zunächst bei verschiedenen Freunden auf dem Sofa, dann auf der Straße und findet irgendwann wieder Wege, besser gesagt ungewöhnliche Formate, in eine neue Lebensweise. Rund um Vernon Subutex spannt Despentes ein Netz an Bekannten, Freunden und Feinden, die, eingebettet in nationale und globale Verwerfungen, verschiedenste persönliche, politische und religiöse Facetten exemplarisch aufzeigen und webt das alles in einen riesigen Gesellschaftsroman. Rasant geschrieben, intelligent und berührend.

Sehr gerne gelesen habe ich auch die Bücher von Delphine de Vigan, „Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin“, „Loyalitäten“ und vor allem „Nach einer wahren Geschichte“. In diesem Roman geht’s um eine Schriftstellerin, ihre Schreib-Blockade und eine Freundschaft, die immer mehr ausartet und schleichend zu einer Übernahme des Lebens der Autorin durch die Freundin führt. Weibliche Manipulation vom Feinsten.

Rauf und runter gelobt wird die amerikanische Autorin Elizabeth Strout. Ich habe eines ihrer Bücher auf englisch – „Olive Kitteridge“ – und eines auf deutsch – „Die Unvollkommenheit der Liebe“ – gelesen. Sie kreist um die kleinen und dann doch auch größeren Befindlichkeiten des Lebens im kleinstädtischen, ländlichen Ambiente Maines und New Hampshires. Angenehm zu lesen, manchmal beruhigend beunruhigend, für mich aber kein Vergleich zu den Französinnen. Wer im Kleinen gerne das Große findet, für den ist die Lektüre sehr passend.

Eine gute Freundin hat mir den Roman „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ von Sibylle Berg geliehen. Wer kennt sie nicht, die spitze Zunge der Sibylle Berg, gefeierte Autorin, Dramatikerin und Kolumnistin. Vom Roman aber war ich wenig angetan, ich fand ihn etwas grob, gewollt, mir fehlte der Respekt vor den Figuren (im Gegensatz zu Despentes). Das habe ich auch mit meinem Buchhändler Konrad diskutiert, er war der gleichen Meinung und meinte sogar, dass dieser literarische Ton vorbei sei, zu oft wiederholt.

Gut gefallen hat mir Emmanuelle Carrés Romanbiographie über den ziemlich größenwahnsinnigen russischen Schriftsteller und Politiker Eduard Limonov. Ich hatte das Buch mit als ich im Mai meinen Sohn und seine Verlobte in Bra besuchte, leider ließ ich es dort liegen, das letzte Viertel harrt also noch meiner.

Auch nicht schlecht gefallen hat mir Bernardine Evaristos Buch „Girl, Woman, Other”. Man taucht ein in die LGBTQ+ Welt mit ihren vielen Facetten und Bezeichnungen, wobei ich nicht traurig war, auch wieder aufzutauchen. Sie scheint nicht wesentlich entspannter, geschweige denn toleranter zu sein, als die Hetero-Welt. Aber schön, dass es so viel Vielfalt gibt auf dieser Welt.

Gerade eben habe ich mir zwei neue Romane bei Konrad geholt, wieder zwei Franzosen, dabei spreche ich nicht mal Französisch! „Kompass“ von Mathias Enard und Laurent Binets „Die siebte Sprachfunktion“. Im ersten geht es um den Blick des Orients auf den Okzident, im zweiten um eine Kriminalgeschichte featuring Roland Barthes, Michel Foucault, Jacques Derrida, Julia Kristeva und einige mehr. Ich bin gespannt.

Und welche Lektüre plant ihr so? Hattet ihr auch mehr Zeit zu lesen im Lockdown? Habt ihr gute Empfehlungen? Frau Susi ist ganz Ohr!

Yours,

Frau Susi

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p.s. Und wenn ich nicht lese, schreibe, nachdenke, poste, in die Luft schaue oder so, mache ich hin und wieder das:

p.p.s.: Ab und zu weniger herum machen und mehr lesen am Sofa oder Strand oder Stuhl ist auch gut für den CO2-Fußabdruck!

p.p.p.s. Im Blog geht’s diese Woche um ein Geschäft in Bozen, das „Sublime“, das stilsicher, qualitätsbewusst und auch nachhaltig versucht dem kleinstädtischen Style etwas auf die Sprünge zu helfen.

p.p.p.p.s. Bislang ist leider noch keine Einladung zu einer Tanz-Party hereingeflattert!

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